Texte

Meine Arbeiten

Bestimmte früher noch vor allem die Natur in gegenständlicher Form meine Malerei, so liegt seit einigen Jahren der Schwerpunkt im abstrahierenden Blick auf Mikrostrukturen und -organismen.

Faszinierend ist die Vorstellung, dass so Vieles um uns herum existiert, ohne dass wir es mit bloßem Auge wahrnehmen oder nur erkennen können , wenn wir genau hinsehen, etwas aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten oder durch ein Mikroskop schauen.

Dabei gilt es spannende Gegensätzlichkeiten zu entdecken, die überall in der Natur zu finden sind und welche auf die unsichtbare Welt der Gedanken und Gefühle übertragen werden können. Hell – dunkel, groß – klein, angenehm – beängstigend, glücklich – traurig …

Die Umsetzung dieser Eindrücke erfolgt in unterschiedlichen Techniken, häufig auch übereinander geschichtet. Mittels Sgraffito-Technik werden nicht nur tiefere Malschichten wieder freigelegt, sondern auch Stimmungen und Erlebtes.

(Quelle: Beate Schmutzler)

 

Sgraffito

Der Begriff “Sgraffito” kommt aus dem Italienischen. “Sgraffiare” oder “graffiare” heißt “kratzen”
Es handelt sich ursprünglich um eine mehrschichtige, mehrfarbige Putztechnik zur Dekoration von Wandflächen, bei der durch das Kratzen von Mustern in die oberste Putzschicht Teile bzw. Farben der unteren Schichten wieder sichtbar werden.
Diese Stucktechnik wurde bereits im 16. Jahrhundert angewandt, lässt sich aber auch in der modernen Kunst als Ausdrucksmittel der künstlerischen Gestaltung nutzen.

(Quelle: Wikipedia)

 

In einem anderen Licht

Beate Schmutzler fasziniert die für das bloße Auge unsichtbare Welt der Mikroorganismen seit ihrer Tätigkeit als Laborantin. Unter dem Mikroskop wird sichtbar, von welcher Schönheit, lebendigen Vielfalt an Formen, Farben und Strukturen wir umgeben und bevölkert sind. Aber: Auch die Gefahr einer unkontrollierbaren Vermehrung der Mikroorganismen, die zu Krankheit und Tod führen kann, ist real. Diese Gegensätzlichkeit verblüfft und irritiert sie. Unglaubliche Schönheit steht beängstigender Unberechenbarkeit gegenüber. In ihren Arbeiten spürt die Künstlerin dieser Dualität nach.
 
Ein Beispiel dafür ist die Installation “In einem anderen Licht”. Die Wahl der Petrischalen als Malgrund ergibt sich aus der Thematik. In ihnen befinden sich Schichten aus gegossener NeonAcrylfarbe, farbiger, gespachtelter Ölpastellkreide und in unterschiedlichen Grautönen mit dem Pinsel aufgetragener und ebenfalls verspachtelter Ölfarbe. Formen und Strukturen bleiben ausgespart oder werden mittels einer Schraube herausgekratzt. 
 
Das langsame Vorgehen des Schichtens und Entfernens gibt ihr Raum für Gefühle und Stimmungen, welche in die Farbgebung und Linienführung einfließen. Unsichtbares wird durch das Hinterleuchten der Tondi ähnelnden Objekte auf den Lichtstelen sichtbar gemacht. 
 
Wie durch ein Mikroskop blickt der Betrachter auf Schönes und Irritierendes, Hell und Dunkel als sich gegenseitig bedingende Naturgesetzmäßigkeiten. Durch das Entdecken und Züchten ihres eigenen Mikrokosmos findet Beate Schmutzler zur Akzeptanz dieser Polarität, wie sie in allen Facetten des Lebens zu finden ist.

Textauszug aus dem Katalog Kunstzone 2017 zur Absolventenausstellung der Meisterklasse Bildende Kunst an der Akademie Faber-Castell  (von Beate Schmutzler und Anette Stufler, Artothek Nürnberg)

 

Zeitungsartikel

(Quelle: Neumarkter Nachrichten, 19.11.2018)